Die älteste Börsianer-Frage überhaupt –
und eine moderne Antwort darauf

Alle Marktteilnehmer stellen sich am Ende des Tages dieselbe Frage. Wie findet man eine gute Aktie? Bei der Beantwortung dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Sind fundamentale Kriterien die einzige Möglichkeit, eine vielversprechende Aktie zu finden? Ist eine prozyklische, oder aber eine antizyklische Strategie zu bevorzugen? Welche Analysemethodik sollte ein Investor überhaupt verwenden. Es gibt weltweit tausende von Aktien – welche davon gehören zu den aussichtsreichsten?

Einige Investoren haben im Laufe der Zeit eigene Antworten auf diese Fragen gefunden. Diese sind der Überzeugung, dass gute Aktien systematisch aufgespürt werden können. Durch die intensive Analyse von Kursentwicklungen konnten sie zeigen: Gute Aktien teilen ganz bestimmte Qualitätsmerkmale. Und eine ganz gezielte Suche nach solchen Qualitätsmerkmalen, bei gleichzeitigem Ausblenden aller irrelevanten Eigenschaften, sollte dabei helfen, mit sehr viel weniger Aufwand vielversprechende Aktien zu finden. Dieser Investmentansatz wird als quantitatives Investieren bezeichnet. Die ganz bestimmten Eigenschaften, die bei der Selektion eine Rolle spielen, sind heute unter dem Begriff „Faktoren“ bekannt.

Beim quantitativen Investieren wird also die Frage, welche Aktien gekauft oder verkauft werden sollen, in erster Linie durch ein Regelwerk auf systematische Art und Weise beantwortet. Dabei unterscheiden sich quantitative Investoren in ihrer Denkweise und Überzeugung letztlich nur bedingt von diskretionär agierenden Investoren. Jedoch versucht ein quantitativer Investor seine Strategie vollständig in ein Modell oder Regelwerk zu überführen, wohingegen ein diskretionärer Investor die Analyse eigenhändig und fallweise durchführt. Diese alternative Vorgehensweise hat weitreichende Konsequenzen und Vorteile.

Um diesen quantitativen Ansatz zu verwirklichen, setzen quantitative Investoren auf das sogenannte Faktor-Investing. Faktor-Investing ist eine Investmentstrategie, in der die Aktienselektion auf bestimmten Eigenschaften, also Faktoren, basiert. Grundsätzlich kann jede Eigenschaft einer Aktie ein Faktor sein. Die Länder- und Sektorzugehörigkeit sind hier nur zwei von vielen Beispielen. Doch steht es auf einem anderen Blatt, ob diese Faktoren relevante Investmentkriterien in einer Strategie werden sollten, also langfristig die Fähigkeit besitzen, einen Index zu schlagen. Die spannende Frage ist also: Welche Faktoren sollten denn berücksichtigt werden, um gute Aktien aufzuspüren?

In der Wissenschaft wurden in den vergangenen Jahrzehnten hunderte solcher Faktoren immer wieder untersucht. Einige bestimmte Faktoren haben sich hierbei über viele Jahrzehnte durchsetzen können – sie haben ganz bestimmte Renditeeigenschaften und schlagen regelmäßig kapitalisierungsgewichtete Indizes (also den „Gesamtmarkt“). Zu diesen Faktoren gehören unter anderem:

• Value
• Size
• Momentum
• Low Volatility
• Quality

Auf Faktorinvesting.de werden wir jeden dieser Faktoren in Zukunft sehr genau beleuchten. Wissens- und Praxisartikel, Backtests und Brancheninterviews sollen zudem dabei helfen, die Erkenntnisse von Faktor-Investing umzusetzen.